Inhalte am Samstag

VORTRAG

„Der politische Rechts(d)ruck, die prozessierten Widersprüche des Neoliberalismus und die Strukturkrisen kapitalistischer Vergesellschaftung“ (Vortrag von Tino Heim/ 10.30 – 12.00 Uhr)

Eine Vielzahl miteinander zusammenhängender Krisendynamiken hat seit 2008 zunehmend autoritäre, nationalistische und neorassistischer Verschiebungen des globalen politischen Klimas begünstigt und prägt – ungeachtet aller verbalen Abgrenzungen vom ‚Rechtspopulismus‘ – vermehrt auch die Politik der Parteien der ‚Mitte‘. Das laute Bereden einer vermeintlichen ‚Flüchtlingskrise‘ verbindet sich mit einer verbalen und realen sicherheitspolitischen Aufrüstung für Abwehrkämpfe gegen ‚Fremde‘, ‚Gefährder‘ und weitere projektive Angst- und Feindbilder, was zugleich die politische Auseinandersetzung mit vielfältig eskalierenden ökonomischen, sozialen und ökologischen Krisen überlagert, für deren Bearbeitung es offenbar an tragfähigen Strategien fehlt. Die Krise der Wirtschafts-, Bildungs- und Sozialsysteme oder der geopolitischen Beziehungen, aber auch die globalen Fluchtbewegungen haben schließlich geteilte Hintergründe in einer generellen Krise des globalen Kapitalismus, in der neoliberalen Politik der letzten Dekaden und in jenen Konsum-, Wirtschafts- und Wachstumsmodellen, die auch unseren alltäglichen Lebensgewohnheiten und Orientierungen zugrunde liegen. Ein Angehen der Ursachen würde hier die konflikthafte Suche nach prinzipiellen gesellschaftlichen Alternativen erfordern – eine Aufgabe die weit schwerer zu bewältigen sein dürfte als projektive Abwehrkämpfe und Stellvertreterkriege gegen ‚Fremde‘.

Der Vortrag fragt nach gesellschaftlichen Hintergründen dieser politischen Verschiebungen und der ihnen zugrunde liegenden Vertiefungen globaler sozio-ökonomischer und politischer Spaltungen, aber auch nach möglichen Ansatzpunkten für Gegenstrategien und für sozialpolitische Alternativen.

 

WORKSHOPS

Antifaschismus und Erfahrung. Anmerkungen zu Theorie und Praxis materialistischer Bildungsarbeit (Julian/ Falken/ 13.00-18.30)

Auch antikapitalistische, emanzipatorisch orientierte oder antifaschistisch aktive Gruppen wenden sich in den letzten Jahren verstärkt pädagogischen Fragestellungen zu. Doch während im Bereich der Gesellschaftskritik eine vielschichtige Theoriebildung vorliegt, ist das für den Bereich pädagogischer Interventionen kaum der Fall. Bei dieser Veranstaltung soll daher zunächst die Konzeption einer materialistischen Pädagogik, wie sie im Anschluss an die kritische Theorie von Karl Marx entwickelt wurde, vorgestellt werden. Im Zentrum steht dabei sowohl die Kategorie der „Erfahrung“ als auch die Bedeutung solidarischer Gruppenzusammenhänge als Schutz- und Entfaltungsbedingung der Individuen gegenüber den Ansprüchen der kapitalistischen, herrschaftsförmig organisierten Vergesellschaftung.

 

Einführung in Dimensionen des Antisemitismus (Amelie und Daniel/ Jugendwerk der AWO/ 13.00 – 18.30)

 Auch 80 Jahre nach den Novemberpogromen von 1938 sind antisemitische Einstellungen in Deutschland und Europa weit verbreitet, Gewalttaten gegen Juden als Juden häufig und öffentlich mit großer Emotionalität geführte Debatten um den „Antisemitismus-Vorwurf“ auf der Tagesordnung. Empörte sich die deutsche Öffentlichkeit zwar jüngst über die antisemitischen Schriften des AfD-Politikers Gedeon und den Umgang der Partei mit ihm, kann sich die Partei doch gleichzeitig als anti-antisemitisch präsentieren, solange es um den Antisemitismus von Muslimen geht. Die Proteste gegen die Botschaftsverlegung der USA von Tel Aviv nach Jerusalem und eine Reihe antisemitischer Morde in anderen Ländern Europas zeigen immer wieder, dass Antisemitismus in allen Millieus und politischen Richtungen verbreitet ist. Auch in der radikalen Linken scheint er in Form von Boykott-Bewegungen und Gruppen, die Israel vernichten wollen, wieder an Einfluss zu gewinnen.

Aus diesen sehr unterschiedlichen Dimensionen aktueller Judenfeindschaft ergibt sich die Frage nach dem Verbindenden: Was ist Antisemitismus? Wie ließe er sich bekämpfen? Der Workshop wird an aktuellen Formen und Manifestationen antisemitischer Ideologie ansetzen und diesen als „Alltagsreligion“ und damit als mit der bürgerlichen Gesellschaft verwoben kritisieren.

 

Wie das Land, so die Leute? Heimatschutz – Naturschutz – Umweltschutz (FARN – Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz/ 13.00- 18.30)

Seit seiner Entstehung ist der Natur- und Umweltschutz oft mit völkischem, regionale Wirtschaftskreisläufe? Wieso hat die rechtsextreme neonazistische Kleinpartei „der III. Weg“ Interesse an nachhaltigen Energie- und Mobilitätskonzepten? Und wie kommt es, dass ausgerechnet die NPD sich gegen Gentechnik in der Landwirtschaft ausspricht?
Der Workshop geht auf die Entstehungsgeschichte des Natur- und Umweltschutzes ein und analysiert hier insbesondere das Konzept des Heimatschutzes als Teil der rechten Umweltideologie.

Block 1 – Einführung in den aktuellen Heimatdiskurs. Was verstehen wir unter Heimat? Und was verstehen Heimatschützer*innen unter dem Schutz ihrer Heimat?
Einführung in die Geschichte des deutschen Natur- und Umweltschutzes, in der Heimatschutz-, Lebensreform- und völkische Bewegungen zu Beginn eine bedeutende Rolle gespielt haben.
Block 2 – Vom Heimatschutz über die Blut-und-Boden Ideologie zum Ethnopluralismus. Welche Kontinuitäten lassen sich bis heute nachzeichnen?
Block 3 – Anknüpfungspunkte der extremen Rechten im Natur- und Umweltschutz. Welche Überschneidungen mit demokratiebejahenden und emanzipatorischen Konzepten finden wir auf der Rechten? Wie kann Distanz hergestellt werden?

  

Rechte Verbindungen. Über das Netzwerk von Burschenschaften, Identitärer Bewegung und Junger Alternative. (Falken/ 13.00-18.00)

Die AFD hat in den letzten Jahren den Rahmen des Sagbaren weit nach rechts verschoben. Doch dies tat sie nicht alleine und isoliert. Vielmehr ist sie in ein Geflecht aus verschiedenen rechten Akteuren und Organisationen eingebunden. Als rechte Kaderschmiede fungieren dabei Burschenschaften, in denen sich verschiedenste Verbindunglinien, Beziehungen und Ressourcen verdichten. In diesem Workshop werden die grundlegenden Strukturen dargestellt und nachvollziehbar gemacht.

  

Das Rechte Elend im Netz – Narrative und Strategien rechter Akteur*innen im Netz und Handlungsmöglichkeiten (Ann-Kathrin, Maria und Philipp/ Kopiloten e. V./ 13.00 -18.30)

Auf der Straße, in den Wohnzimmern, Parlamenten und im Netz haben sich in den vergangenen Jahren nationalchauvinistische Bewegungen formiert und sich Raum angeeignet. Diskursiv und materiell. Der Verein Die Kopiloten e.V. aus Kassel widmet sich der Arbeit in den diskursiven Räumen der sozialen Medien, mit dem Ziel so auch offline Raum für demokratisches Miteinander und Pluralismus zu verteidigen. Wie kann Hass und Hetze im Netz begegnet, wie können Narrative und Strategien der Neuen Rechten erkannt und angegangen werden? Das Rechte Elend begegnet uns off- wie online, beim Familiengeburtstag und in den Kommentarspalten. Seinen Erzählungen und Ideologemen muss überall konsequent widersprochen werden, gemeinsam widmen wir uns der Auseinandersetzung im Netz.

 

„Was macht den Faschisten Dampf? Klassenkampf!“(Maria/Falken/ 13.00 -18.30)

Welche Bevölkerungsgruppen rechts wählen bzw. rechts gesinnt sind, ist relevant um dem Rechtsruck effektiv entgegen wirken zu können. Aktuell wird in der Linken viel über den Klassenhintergrund der AfD-Wählerschaft sinniert; dabei wird insbesondere immer wieder auf ArbeiterInnen verwiesen, die überproportional häufig rechts wählen. Handelt es sich bei der AfD gar in Teilen um eine „Arbeiterbewegung von rechts“ – und müsste dementsprechend von links mehr Druck hin zu „sozialen Kämpfen“ erzeugt bzw. Kapitalismuskritik gestärkt werden um dem etwas entgegen zu setzen? Oder würde damit der Blick auf weitaus wichtigere Teile der Wählerschaft verstellt, die einfach nur ihre gesellschaftliche Vormachtstellung gegen Geflüchtete, MigrantInnen und Frauen verteidigen wollen?

In diesem Workshop wollen wir die Klassenzusammensetzung der AfD-Wählerschaft untersuchen und uns mit ihrer Motivlage beschäftigen. Schließlich wollen wir mit den Ergebnissen einen Blick in die Vergangenheit wagen und zu einen Vergleich mit der Klassenpolitik der Nationalsozialisten ziehen.

 

Demokratiekrise? Zum Verhältnis von repräsentativer Demokratie und Rechtspopulismus (Andi/ Falken/ 13.00-18.30)

Weltweit bringen sich autoritäre Strömungen gegen plurale Gesellschaftsvorstellungen und die repräsentative Demokratie in Stellung. Als vermeintliche Anwält*innen der „kleinen Leute“ propagieren diese rechten Sammelbewegungen einen reinen, identitären und meist völkisch inspirierten Volkswillen. Nicht selten wird eine direkte Demokratie versprochen, in der das (wie auch immer definierte) „Volk“ die Macht zurückerlangt. Die Idee einer pluralen Gesellschaft wird ebenso wie demokratische Institutionen angegriffen. Neben den rassistischen, völkischen und oftmals sozialchauvinistischen Zügen dieser autoritären Strömungen, gibt es demnach auch einen demokratietheoretischen Konflikt, der im aktuellen Rechtsruck seine Ausformung findet.

Davon ausgehend will der Workshop versuchen das Phänomen „Rechtspopulismus“ mit Hilfe demokratietheoretischer Ansätze einzuordnen. Diese sollen nicht in Konkurrenz sondern ergänzend zu anderen Erklärungsansätzen diskutiert werden. Demokratietheoretische Ansätze scheinen gerade in linken Diskussionen unterrepräsentiert. Ein Grund hierfür: zu oft wird in gängigen Erklärungsansätzen auf verkürzte Art und Weise den rechten Wutürger*innen ein berechtigtes Unwohlsein mit der aktuellen Form der parlamentarischen Demokratie attestiert und ihnen damit eine Legitimation für ihre Hetzte zugestanden. Allerdings ist es auch verkürzt, wenn kritische Analysen des Rechtsrucks, emanzipatorische Gesellschaftsentwürfe oder Gegenstrategien ohne demokrathietheoretische Überlegungen auskommen wollen.

 

Hegemoniepolitik in der Klassengesellschaft (David/ Falken/ 13.00-18.30 Uhr)

Mit dem massive Bodengewinn rechten und völkischen Gedankenguts ist eine Strategiedebatte in der linken entbrannt. Die seitdem einsetzenden Versuche linker Praxis waren vor allem  durch Eingriffe in den öffentlichen Diskurs gekennzeichnet, mit dem Ziel die gesellschaftliche Hegemonie nach links zu verschieben. Dafür wurden oft den reaktionären Vorstellungen der Rechten, emanzipatorische  Vorstellungen entgegengestellt und für linke statt für rechte Deutungsangebote der Gesellschaft geworben. Der Workshop will untersuchen welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten, diese Form von Hegemoniepolitik mit sich bringt und diskutieren was es für eine wirksame Strategie gegen Rechts braucht.

 

Die extreme Rechte und die Betriebsrats-Wahl 2018 (Sascha/ DGB / 13.00-15.30)

Das rechte Lager hat die Arbeitnehmer*innenschaft für sich entdeckt und blies zu den Betriebsratswahlen zum Sturm auf die Betriebe. Sie hofften auf die Stimmen unzufriedener Kolleginnen und Kollegen und denunzierten dabei gezielt die DGB-Gewerkschaften. Das Strickmuster dabei ist immer dasselbe: „Die da oben“ machen was sie wollen, die Gewerkschaften lassen sich „kaufen“ und verraten mit ihrem braven „Co-Management-Kurs“ die wirklichen Interessen der Beschäftigten. Als die „wahren Interessenwalter“ preisen sie sich dann selber an. Mit Interessen sind letztlich nur die „der Deutschen“ gemeint. Doch wie erfolgreich waren die Bemühungen der rechten in den Betrieben? Und wer sind ihre Protagonisten?

 

Verschwörungstheorien – Wer regiert die Welt? (Merlin/ Naturfreundejugend/ 13.00-15.30 Uhr)

Verschwörungstheorien liegen im Trend: Elvis lebe noch. Flugzeuge vergiften mit Chemtrails die Bevölkerung. Die Anschläge vom 11. September wären von der us-amerikanischen Regierung organisiert worden. Israel und die Juden versuchen eine neue Weltordnung zu etablieren. Im Workshop sollen typische Verschwörungstheorien und ihre Hintergründe analysiert werden. Dabei sollen dahinterstehenden Bedürfnisse und Ideologien in der Gesellschaft offengelegt werden. 

 

Workshop Frauen* in den extreme(n) Rechte(n) (Sarah/ Falken/ 16.00 – 18.30)

Im Workshop wird es um verschiedene Frauen*bilder in verschiedenen Szenen der extremen Rechten gehen. Frauen* haben verschiedene Funktionen innerhalb extrem rechter Strukturen, die häufig vom klassichen Klischee der Mitläufer*in abweichen. Am Beispiel Beate Zschäpe wird die gesellschaftliche Funktion dieser klischeesierten Darstellung deutlich und im Workshop diskutiert.

 

Kapitalismuskritik von rechts (Merlin/ Naturfreundejugend/ 16.00-18.30 Uhr)

Kapitalismuskritik von rechts ist weder ein Versuch der Kopie linker Konzepte, noch ein bloßer Propagandatrick. Im Workshop sollen deren verschiedene Strömungen analysiert werden. Neben dem Kampf gegen eine vermeintliche Zinsknechtschaft ist besonders die Ideologie von raffendem und schaffendem Kapital zentrales Motiv eines Antikapitalismus von rechts. Dem guten schaffenden Kapital wird dabei das parasitäre raffende Kapital gegenübergestellt. Im Workshop soll neben der Vorstellung der Ideologie auch deutlich werden, wie weit solche Denkstrukturen in der Gesellschaft verbreitet sind, wenn von Heuschrecken und ihrer Gier gesprochen wird.